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Dieses Jahr hat das 7. Indianer Inuit Film-Festival in Stuttgart stattgefunden und wir von One Spirit Deutschland haben beschlossen, daran teilzunehmen. Das Festival ist eine gute Gelegenheit, um unser Netzwerk mit anderen Vereinen, die im Bereich Native Americans aktiv sind, zu vertiefen und auch neue Kontakte zu knüpfen. Gleichzeitig bietet es viele interessante Dokumentationen und Filme und die Möglichkeit, sich mit anderen darüber auszutauschen.

Letztendlich waren wir 3 Personen. Nachdem wir uns am Freitag getroffen und unsere Übernachtungsmöglichkeit in Augenschein genommen haben, machten wir uns auf den Weg zum Film-Festival. Als wir ankamen hatte gerade der erste Teil der Standing Rock Dokumentation von Michelle Latimer begonnen. Was mich zuerst beeindruckt hatte, war die große Anzahl an Zuschauern. Wir kamen in den großen Kinosaal und fast alle Plätze waren besetzt! So viele Menschen, die an dem Thema interessiert waren! Und auch sehr viele junge Menschen waren da.

Da das Thema dieses Jahr UP|RISE- Earth and Water war, handelten viele der Dokumentationen über Natur und Umweltschutz in Verbindung mit den Native Americans, aber nicht nur. Es gab so viele gute und inspirierende Dokumentationen und Filme, und jeder war es wert, gesehen zu werden.

Interessant waren natürlich die Dokumentationen, deren Beteiligte oder deren Vertreter anwesend waren und mit denen man sich danach noch mal vertiefend austauschen konnte.

 

Dazu zählten folgende Dokumentationen:

Dancing Salmon Home: Film über den Nordkalifornischen Stamm der Winnemem Wintu und ihrem Versuch, wieder Lachse in ihrem Fluss anzusiedeln.

Als Ansprechpartner anwesend waren Chief Caleen Audrey Sisk, Michael Preston und Will Doolittle.

Chief Caleen Audrey Sisk ist eine gute und beeindruckende Sprecherin ihres Stammes, der vom Staat nicht anerkannt ist, aber für seine Anerkennung kämpft.

Tatanka vs Montana: Film über die Buffalo Field Campaign, die von Goodshield Aguilar, Songwriter und Aktivist, unterstützt wird, der auch vor Ort anwesend war.

Angry Inuk: Film über die katastrophalen Folgen des Robbenjagd-Verbots, das die EU entschieden hatte und die erfolglosen Versuche, mit den Tierschutzorganisationen ins Gespräch zu kommen.

Die Autorin konnte leider nicht anwesend sein, dafür die befreundete Produzentin Jerri Trasher.

Trapped in a Human Zoo: basierend auf dem Tagebuch des Inuit Abraham Ulrikab, über das Schicksal einer Gruppe von Labrador-Inuit, die 1880 für Völkerschauen nach Europa gebracht wurden und dort verstorben sind.

Anwesend war der Herausgeber des Tagebuchs, Hartmut Lutz.

Rise - Sacred Water, Rise - Red Power: Standing Rock Teil I+II

Unser erster Beitrag war eine bewegende Reportage über Standing Rock. Obwohl dort keine Fakten offenbart wurden, die ich nicht schon kannte, fand ich es sehr berührend, das Engagement und die Gefühle der Aktivisten zu sehen. Ein „Wow“-Moment war der, als eine junge Native den Gouverneur um Hilfe. Der Angestellte am Telefon verstand erst nicht, was die junge Frau wollte. Wenn die Polizei doch schon da war, war doch alles gut, dachte er. Sie sagte nein, es ist die Polizei, die uns angreift. Da war er erstmal sprachlos. – Ein guter Grund sprachlos zu sein. Und einer um aufzustehen!


Te Ata

Freitagabend sahen wir die wundervolle Geschichte von „Te Ata“, Mary Frances Thompson (1895 – 1995), eine Native Künstlerin, zuerst Schauspielerin, später Geschichtenerzählerin. Das war „richtig großes Kino“, mit Graham Greene, Q‘Orianka und Gil Birmingham (er und Greene sind zwei meiner Lieblingsschauspieler) I frage mich, warum ich ihn nicht im Kino gesehen habe? Den Film gibt es aber auf DVD und Blue Ray und auch auf Amazon Prime.

Das sagt das Festival über den Film: In ihren mehr als 60 Jahren ihrer Karriere mußte Te Ata viele kulturelle Barrieren überwinden. Sie reiste um die ganze Welt und trat vor Präsident Roosevelt  und dem europäischem Adel auf. In 1987 wurde sie in die Oklahoma und Chickasaw Hall of Fame aufgenommen.

USA 2016, Regie: Nathan Frankowski mit Q’Orianka, Kilcher, Gil Birmingham, Graham Greene, Brigid Brannag h, u. a., 105 Min, English

Quallunaat

Am Samstag sahen wir einen witzigen Film von den Inuit: „Quallunaat - Weiße Leute sind lustig“, in dem Inuit Weiße, so wie mich, „erforschen“. Zum Beispiel muss ein Proband seinen Kopf auf einen Fotokopierer legen, ein anderer Wissenschaftler nimmt seine Maße. Ich frage mich, wie die Darsteller dabei alle so ernst bleiben konnten. Jemandem einen Spiegel seines Verhaltens vorzuhalten ist eine gute Methode jemanden dazu zu bringen, sein Handeln zu überdenken.

Das Festival schreibt dazu: Dieser Film nimmt die Exotisierung der Inuit auf die Schippe und nimmt  das Verhalten der Quallunaat (Inuit Wort für „Weiße“) unter die Lupe. Quallunaat begrüßen sich beispielsweise mit fremden Gesten, sie unterdrücken ihre Körperfunktionen, sie beschweren sich über die Kälte und wollen die Welt beherrschen. Ihre seltsamen Dating-Gewohnheiten, gescheiterten Versuche der Arktis-Erkundung, ausufernde Bürokratie und Polizei und die Obsession, Dinge zu besitzen, sind aus dieser Perspektive ungeheuer komisch.


Shiloh

Am Abend wurde die Reportage „Shiloh“ gezeigt. Ein großartiger Film über eine junge Frau, Mutter und Kämpferin, die für die Ringside Weltmeisterschaft 2016 trainiert. Es ist sehr inspirierend, wie sie ihren Weg geht. Sie ist ein großes Vorbild für Zielstrebigkeit. Ich wünsche Ihr alles Gute!

Songs my brother taught me

Samstagabend wurde der Film „Songs my brother taught me“, gezeigt, der davon erzählt, wie es ist, in der Realität von Pine Ridge aufzuwachsen. Es ist ein besonderer Film für alle Deutschen, die daran interessiert sind, einen Insider-Blick in das reale Leben eines modernen Indigenen zu erhalten. Das sensible Drama wurde größtenteils von Laien gespielt.

 
The Haumania

Dann sahen wir den Film “The Haumania” aus Hawai’i über einen sehr sympathischen Leiter einer Waikiki Polynesischen Tanzgruppe. Durch seine Arbeit mit der Gruppe findet er zurück zur Heiligkeit seiner Kultur, ein Blick, den der viele Jahre zuvor verloren hatte. Ein wundervoller Film, ebenfalls großes Kino.

Treffen mit Corinna Veit

Im Anschluss hatte ich die Ehre bei einer Privatveranstaltung mit Corinna Veit von  www.begegnungs-reisen.de  eingeladen zu sein, einer Freundin, die für die gute Native Sache arbeitet, in dem sie kulturelle Kontakte für tief interessierte Menschen an anderen Kulturen in Form von Individual-Reisen leitet. Ihre Gäste waren Chief Caleen Audrey Sisk, spirituelle Führerin und ererbte Stammes-Häuptling der Winnemem Wintu, ihr Sohn Michael Preston (Pompahatot Tuiimyali), einem Offizier für Kultur-Erhaltung der Winnemem Wintu. Er ist ebenfalls traditioneller Tänzer und stellt seine Garderobe selber her. Jamie Ward ist auch ein traditioneller Tänzer der Winnemem Wintu. Michael Smith ist der Gründer und Direktor des San Francisco American Indian Film Festivals. Meilenstein und Inspiration seiner Arbeit sind Chief Dan George (Little Big Man, ein Film, den man kennen muss!) und Will Sampson (Einer flog über das Kuckucksnest) Zu Beginn des Festivals hatte er Gelegenheit beide persönlich zu treffen. Michael ist von den Lakota. Goodshield Aguilar ist ein Oglala Lakota, Sänger und Musiker, der für uns sang. Er wuchs in Kalifornien auf, also weit von seiner Heimat entfernt. Daher war es eine Herausforderung für ihn dennoch in Kontakt mit seinen kulturellen Wurzeln zu bleiben - die er aber meisterte. Mit seiner Musik will er auch Aufmerksamkeit für die letzten wildlebenden Büffel im Yellowstone Nationalpark schaffen.

Michael Koch

Zwischen den Vorträgen hatte ich die Gelegenheit den Autor und Menschenrechtsaktivisten Michael Koch zu treffen und zu sprechen. Ich kaufte sein Buch “Ein Leben für die Freiheit: Leonard Peltier und der indianische Widerstand. Michael hat Kontakt zu vielen wichtigen indigenen Persönlichkeiten und daher einen tiefen Einblick in die Vorgänge um den Widerstand. Ich fragte ihn, ob Leonard ein unschuldiger Mann sei …. Meine Schlussfolgerung ist, dass er für ein Verbrechen angeklagt und gefangen genommen wurde, das er nachweislich nicht begangen hat. Er ist daher ein politischer Gefangener. Und das ist eine Form von juristischem Rassismus.

 

Direkt danach musste ich nach Bonn zurück reisen, da am Montag meine Arbeit wieder auf mich wartete. Daher verpasste ich leider den Beitrag „Rumble: The Indians who rocked the world”. Aber ich hatte ihn schon auf arte gesehen und war begeistert und überrascht. Ich hatte nicht gewußt wieviel Einfluss Native Musiker und ihre Musik auf Rock Musik hatten. Der Film ist ein Muss für jeden der ernsthaft an guter “klassischer” (=Rock) Musik und/oder Native American oder First Nation Menschen ist.

 

Es gab auch einige Sänger, die an dem Festival teilgenommen und Konzerte gegeben haben:

Raye Zaragoza, die unter anderem durch ihr Lied für Standing Rock 'Fight for you' bekannt geworden ist, Goodshield  Aguilar und Kholan Studi.
Darüber hinaus bestand für die Teilnehmer die Möglichkeit, aus einer Auswahl von 15 Musikvideos ihren Favoriten zu wählen.

 

Fazit:

Es gäbe eigentlich so viel über das Wochenende zu erzählen. Es gab so viele Informationen, so viel zu sehen, so viele Gespräche und man kann dem allen in einem Bericht nicht gerecht werden

Es war sehr anstrengend einen Film nach dem anderen zu sehen, aber es hat sich gelohnt und wir wollten so wenig Filme und Dokumentationen wie möglich verpassen. Es war toll von so vielen Menschen umgeben zu sein, die sich alle für die Inuit und Native American interessieren und vor allem auch so viel junge Leute zu sehen. Wahrscheinlich haben da auch die Ereignisse um Standing Rock mit dazu beigetragen. Es gab ein so großes Interesse an den Filmen wie all die Jahre zuvor nicht, weshalb die Veranstalter zwischendrin auch den Filmsaal kurz schließen mussten, um noch mehr Sitzplätze zu schaffen.


Wir waren dort als Privatperson, aber durch unsere Buttons auch als Vertreter von One Spirit erkennbar. Wir hatten zwar aufgrund von Platzmangel keinen eigenen Stand bekommen, aber eine befreundete Organisation (Tokata e.V.) hatte unsere Flyer mit ausgelegt. Das zeigt auch wieder einmal wie wichtig es ist, dass die verschiedenen Vereine zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen.

Es war ein sehr erfülltes Wochenende und wir werden auf jeden Fall in zwei Jahren wieder mit dabei sein. Wir freuen uns jetzt schon darauf!

 

Barbara Kull und Monika Fitzner

 

Link: Indianer Inuit - Das Nordamerika Filmfestival für weitere Informationen

 

 

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